Comments Off
Sechstes kunstpädagogisches Forschungskolloquium Loccum
Call for Papers
Erkennen, verstehen und rekonstruieren im kunstpädagogischen Feld. Zur Integration quantitativer und qualitativer Methoden
vom 5.-6.9.2009
Das diesjährige kunstpädagogische Kolloquium schafft erneut ein Forum, um die individuellen Forschungsvorhaben der Teilnehmenden mit deren Bruchstellen, Ungereimtheiten und offenen Fragen zur Diskussion zu stellen. Insbesondere der wissenschaftliche Nachwuchs ist zu diesen kollegialen Ateliergesprächen eingeladen. In diesem Jahr liegt der der thematische Fokus auf der Frage nach Möglichkeiten der Integration quantitativer und qualitativer Forschungsmethoden.
Qualitativ-empirische Forschungsansätze dominieren kunstpädagogisches Forschen. Diese als „weich“ bezeichneten Methoden werden in Gegenposition zu den vereinzelt praktizierten „harten“ quantitativen Erhebungen gebracht. Während quantitative Forschung dem Vorwurf ausgesetzt ist, dass Skalen, Tests und Fragebögen die Versuchspersonen nicht zu Wort kommen lassen, sondern auf das „Kreuzchen machen“ reduzieren (vgl. Mayring 2002), werden qualitativ gewonnene Aussagen in Frage gestellt, weil sie eher auf singulären Meinungen von ausgewählten Interviewpartnern fußen und nicht verallgemeinerbar seien.
Es ist allerdings fraglich, dass eine solche scharfe methodische Polarisierung in rein qualitativ und rein quantitativ ausgerichtete Forschungsdesigns notwendig und hilfreich ist. Zunehmend erscheint sinnvoll, beide Positionen verstärkt ins Gespräch zu bringen.
Es sind Fragestellungen denkbar, bei denen die methodische Integration beider Ansätze sinnvoll sein könnte. Dabei sollten die Daten des einen Ansatzes weder die des anderen widerlegen, noch den Gegenstand aus einer anderen, völlig neuen Perspektive beleuchten, um ein dichteres Bild zu erhalten. Vielmehr könnte der Gegenstand erst mit der Integration beider Ansätze adäquat untersucht werden (vgl. Kelle 2007).
Ein Nachdenken über das Verhältnis von quantitativen und qualitativen empirischen Forschungsverfahren könnte erstens helfen, den jeweiligen Geltungsanspruch der Forschungsergebnisse im Zusammenhang der gewählten Methode genauer zu reflektieren: Welche Rolle können jeweils Aussagen, die quantitativ oder qualitativ generiert wurden, zugewiesen werden, beispielsweise im kunstpädagogischen Feld oder auf bildungspolitischer Ebene? Zweitens könnten für zukünftige Projekte Möglichkeiten der Verbindung von quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden ausgelotet werden: Wie lassen sich Aussagen quantitativer Erhebungen durch qualitative Methoden vertiefen und umgekehrt?
Darüber hinaus ist sind grundsätzlich Fragen nach den Geltungsansprüchen kunstpädagogischer Forschungen zu stellen: Was heißt es, Texte, Bilder, Dinge oder Prozesse hermeneutisch-interpretativ zu analysieren? Was bedeutet es, ein Phänomen im kunstpädagogischen Feld, einen Fall anhand von Datenmaterial qualitativ-empirisch zu rekonstruieren? Welche Form von Erkenntnis erzeugen quantitativ-empirische Forschungen?
Im diesjährigen sechsten Loccumer Forschungskolloquium soll die angesprochene Thematik im Spiegel aktueller Forschungen und Forschungsvorhaben facettenreich ausgelotet und diskutiert werden. Erneut findet die diesjährige Planung und Konzeption des Kolloquiums unabhängig von institutionellen Anbindungen und Betreuungsverhältnissen statt.
Teilnehmerzahl: Das Kolloquium ist auf 15 Teilnehmende begrenzt.
Abstracts: Bitte senden Sie die Abstracts bis spätestens zum 30.6.2009 per E-Mail an AnsgarSchnurr@web.de.
Auf ca. zwei Seiten soll der Beitrag die eigenen methodischen, theoretischen und praktischen Fragen skizzieren. Eine Orientierung an dem diesjährigen Thema „Erkennen, verstehen, rekonstruieren …“ ist erwünscht, aber keine Voraussetzung für die Teilnahme.
Kosten pro Person: EZ + Verpflegung: 90 €
Leitung:Jörg Grütjen, Katharina Küstner, Dr. Anja Mohr, Dr. Ansgar Schnurr
Literatur: Kelle, Udo: Die Integration qualitativer und quantitativer Methoden in der empirischen
Sozialforschung. Theoretische Grundlagen und methodologische Konzepte. Wiesbaden
(VS Verlag für Sozialwissenschaften) 2007.
Mayring, Philipp: Qualitative Sozialforschung. Weinheim und Basel (5. Aufl.) 2002.
Comments Off
Fünftes kunstpädagogisches Kolloquium 2008
Räume
20.-21.9.2008
Räume der Bildung und Forschung verändern sich derzeit in brisanter Schnelligkeit. Nicht erst das digitale Zeitalter verwandelt Klassenzimmer und Universitäten in Funkareale, softwaregesteuerte Kursanmeldepools und elearning-Stationen. Auch die staatliche und private Schul- und Hochschulreform der letzten Jahre verwandelt Lernlandschaften, Organisationsabläufe, Kommunikationsstrukturen und Lernkulturen.
Räume der Bildung und Forschung sind nicht unabhängig von den historisch bedingten Raum-Zeit-Vorstellungen zu denken und bedingen spezifische Handlungsformen.
Wenn beispielsweise Descartes in Auseinandersetzung und Abgrenzung mit den mittelalterlich tradierten aristotelischen Raumvorstellungen die newtonsche Raumkonzeption vorbereitet, so verweist er neben der geläufigen Einteilung des Raumes in dreidimensionale Koordinaten auch auf relationale Aspekte der Raumvorstellung.
»Bewegung (…) ist nichts anderes als das Ereignis, durch das ein Körper aus dem einen Ort in einen anderen übergeht.« (René Descartes: Prinzipien der Philosophie, Hamburg 2005, Zweiter Teil, Satz 24, S. 119) Damit impliziert er die Bezüglichkeit von Körper und Raum im Kontext der Bewegung. Ein spezifischer Raum definiert sich erst durch die Präsenz eines Körpers bzw. Objektes.
Auch wenn die Annahme eines absoluten Raumes im Sinne eines alles umfassenden Behältnisses seit Einstein und Planck nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, so legt Descartes durch diese Gedankenführung den Grundstein für heutige Raumvorstellungen, die vor allem die performative Modellierung des Raumes durch Bewegung und Relation von Objekten fokussieren.
Dieses relationale Raumkonzept hat dazu geführt, dass sich die Raumtheorie in unterschiedliche Disziplinen aufgliederte, die unterschiedliche Facetten und Systeme von Räumlichkeit beleuchtet (z.B. körperliche, technische, mediale, soziale, politisch-geographische, ästhetische).
Da menschliche Praxis schwerlich ohne die Rahmung durch die Kategorien von Raum und Zeit denkbar ist, setzen sich auch die Erziehungs- und Sozialwissenschaften notwendigerweise mit diesem Phänomen auseinander.
Dies gilt insbesondere für die Kunstpädagogik, die sich mit diversen Nahtstellen der zuvor unterschiedenen Dimensionen von Räumlichkeit befasst. Als pädagogische Disziplin fokussiert sie den sozialen Raum und seine Adressaten, d.h. es geht um visuelle, performative und mediale Setzungen im ästhetischen Kontext von Raum. Insofern verwundert es nicht, dass gerade in jüngster Zeit zahlreiche kunstpädagogische Monografien die Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Vgl. die Arbeiten zu Mapping (Busse), Kartierung (Heil), Displacement (Brohl) und ästhetischen Erfahrungsräumen (C. Meyer).
In diesem Zusammenhang findet verstärkt das durch den »spatial turn« eingeführte und durch den japanischen Philosophen Kitarō Nishida begründete topische Raumkonzept Beachtung. Die Vorstellung eines durch bestimmte Koordinaten sich formierenden Feldes, das es durch kartierende Verfahren zu bestimmen gilt, prägt nicht nur eine forschende künstlerische Praxis im Kontext von Performance und Land-Art, sondern bringt auch eine adäquate kunstpädagogische Methodologie hervor.
Im diesjährigen fünften Loccumer Forschungskolloquium soll die angesprochene Thematik im Spiegel aktueller Forschungen und Forschungsvorhaben facettenreich ausgelotet und diskutiert werden. Wie in jedem Jahr findet auch die diesjährige Planung und Konzeption des Kolloquiums unabhängig von institutionellen Anbindungen und Betreuungsverhältnissen statt.
Leitung
Prof. Dr. Andreas Brenne
Blanka-Sophie-Siebner
Comments Off
Viertes kunstpädagogisches Kolloquium 2007
Forschung kommunizieren
Für die Zukunft der kunstpädagogischen Lehre ist die Kommunikation zwischen wissenschaftlicher Forschung und schulischer wie außerschulischer Lehrpraxis unerlässlich. Aber wie können Forschungs- und Lehrpraxis kommuniziert und partizipiert werden, wenn die Institutionen nur ansatzweise kooperieren? Wie können wissenschaftliche Veröffentlichungen für Lehrende zunächst einmal interessant und zugänglich werden? Wie können umgekehrt Lehrende Einfluss auf die Forschung nehmen, um blinde Flecken, Desiderate und die Grenzen aufzuspüren? Und wann sprengt die Forschungs- oder Lehrpraxis theoretische Setzungen?
Kommunikationsprozesse in wissenschaftlicher Forschung beginnen nicht erst mit der Publikation der Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften, Büchern oder Datenbanken. Am Anfang steht eher ein nichtöffentlicher Austausch oder eine fachliche Beratung, die institutionell und personell geprägt sind. Wie aber könnte man darüber hinaus Forschung im Prozess ihrer Entstehung und Organisation im Hinblick auf einen Anwendungszusammenhang kommunizieren? Welche Kommunikationsräume und -kanäle müssen dafür geschaffen werden? Wer sind die Adressaten, welches sind die Strukturen und Dynamiken der Kommunikation? Wie und in welchem Medium übermitteln sich Zeichen, Imaginäres und Visionen? An welche Darstellungsweise und vor welchem sozialen oder ethischen Hintergrund der Forschung ist eine Generierung von Bedeutung und Sinn gebunden? Welche Rolle spielen dabei Performanz, Institutionen und Teilhabe? Welche Motivationen und Anlässe führen dazu, Forschungsvorhaben bereits im Prozess zu kommunizieren?
Das vierte kunstpädagogische Kolloquium strebt eine Verknüpfung der Kommunikation individueller Forschungsvorhaben mit einem grundsätzlichen Nachdenken über Kommunikationprozesse in kunstpädagogischer Forschung an. Die jeweilige Planung und Konzeption eines Kolloquiums findet unabhängig von institutionellen Anbindungen und Betreuungsverhältnissen statt.
Leitung
Christine Heil
Andrea Sabisch
Ansgar Schnurr
Drittes kunstpädagogisches Kolloquium 2006
Kunst und Wissen
Man müsse sich klarmachen, „dass Kunst eventuell nicht so viel mit Wissen zu tun hat“, antwortet Roger M. Buergel befragt durch den BDK in Bezug auf die Kunstvermittlung. Und er führt weiter aus, dass Kunst eventuell sogar eine Kritik an Wissen sei, dass es nicht darum ginge, etwas zu verstehen, sich etwas anzueignen. Gerade damit bestreitet er nicht eine Verbindung zwischen Kunst und Wissen, sondern problematisiert diese vielmehr.
Wie ist das Verhältnis von Kunst und Wissen zu denken? Handelt es sich um einen Antagonismus, eine Dialektik, eine Ausnahmebeziehung? Ist Kunst tatsächlich eine Kritik an Wissen? Ist sie das andere des Wissens? Ist sie gerade das, was sich dem Wissen beharrlich entzieht und von diesem ausgenommen ist? Ist Wissen stets kühle, allgemeine Rationalität, Kunst schöner Ausdruck des Besonderen? Kann man Kunst verstehen oder eben nicht – oder kann uns die Kunst zu verstehen geben, dass es allgemein nichts zu verstehen gibt?
Wie positionieren sich folglich Wissen-Schaft und Kunst zueinander? Wie weit reicht die ästhetische Dimension in den wissenschaftlichen Methoden, Sprachen und Darstellungen – gerade dort, wo bildgebende, theatrale oder performative Verfahren in die Wissensproduktion der Wissenschaften Einzug halten; gerade dort, wo sich Wissenschaft zunehmend selbst als – vielleicht artifizielle – Praxis begreift, die Dinge nicht entdeckt, sondern macht: als eine Tat-Sache, als ein Sach-Verhalten.
Wie steht es ferner mit jenem Wissen über Kunst? Und wie verhält es sich mit der Vermittlung dieses Wissens über Kunst? Mit der Kunstvermittlung, der Kunstpädagogik?
Und letztlich: Wie generiert man ein Wissen über diese Vermittlung des Wissens über Kunst? Wie erforscht man also Kunstpädagogik? Hat dieses kunstpädagogische Wissen eventuell nicht so viel mit Kunst zu tun? Oder ist die Kunst möglicherweise eine Kritik an diesem Wissen?
Leitung
Sara Burkhardt
Stephan Münte-Goussar
Julia K. Schawe
26.-27.08.2006
Comments Off
Zweites kunstpädagogisches Kolloquium 2005
Erkenntnispraxen im Feld von Kunst und Pädagogik
Die Erkenntnispraxis als Leitbegriff betont, dass die Entwicklung und Reflexion der eigenen wissenschaftlichen Vorgehensweise ein Schwerpunkt dieses Kolloquiums ist. Der Plural zeigt an, dass es nicht um eine einzige, sondern um jeweilige Praxen geht, die in sehr unterschiedlichen Verhältnissen, Bezügen, Adaptionen, Austauschmöglichkeiten oder Grenzüberschreitungen zwischen Kunst, Vermittlung (Pädagogik) und qualitativer Forschung stehen können. Dabei kann das naturgemäß spannungsvolle ‘Zwischen’ ebenso wie ein Pendelausschlag zu einer bestimmten Seite Anlass einer Frageperspektive sein, wie es auch möglich ist eine einsame thematische Insel in der Kunst auf ihre Praxis und Erkenntnisqualitäten zu befragen. Das Feld jedenfalls verheißt, dass es etwas zu beackern gibt – und die Verfahren der Feldarbeit sind nun mal vielschichtig (Biodynamik oder Gentechnik).
Leitung
Dr. Andreas Brenne
Christine Heil
Julia Rabe-Kröger
01.09.- 03.09.2005
Comments Off
Erstes kunstpädagogisches Kolloquium 2004
“Die Welt ist alles, was der Fall ist” (Ludwig Wittgenstein)
Jeder Fall ist ein Einzelfall. Ein Sonderfall. Ein Einfall? Ein Zufall? Doch was verbindet die Fälle in der Kunstpädagogik?
Kann der singuläre Fall repräsentativ sein? Wie findet man einen Fall? Wie kann man ihn beobachten? Wie entstehen Studien oder Arbeiten am Fall? Welche Auswirkungen haben sie auf den Fall? Was passiert mit den Ab-Fällen? Wo verbergen sich Fallen? Und wie gelangt man vom Fall zum theoretischen Halt?
Analog zu dem ersten Satz in Wittgensteins Frühwerk, soll das erste kunstpädagogische Kolloquium einen Anfang markieren für den wissenschaftlichen Austausch über eigene Forschungsprojekte.
In diesem Jahr ist es Fragen zur qualitativen empirischen Forschung gewidmet.
Dabei stellen bevorzugt Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ihre Weisen der Welt- und Fallerzeugung aus der eigenen Forschungspraxis vor.
Die Methoden, Wege und Verläufe, die zu einem Fall führen und solche die einen Fall interpretieren, reflektieren und in einen wissenschaftlichen Diskurs einbinden, stehen dabei im Zentrum dieses Kolloquiums.
Leitung
Andrea Sabisch
07.09. – 09.09.2004
